Atemberaubende Aussicht und abenteuerliche Wanderung

Die Spanische Seite der Pyrenäen

Die Gebirgskette, die Spanien von Frankreich trennt, soll angeblich wunderschön sein. So sagte man mir, bevor ich mit meinem Hund Jacky auf den Roadtrip unseres Lebens gingen.

Die Fahrt dorthin gestaltete sich für unser 2 Tonnen Gespann als ziemliche Herausforderung, die 75 PS des kleinen Ibizas ganz schön zu schaffen hatten um unser Hab und Gut über die Bergstraßen zu bringen. Steigungen bis zu 15% waren nicht selten. Doch ein Glück für uns, hatte die Spanische Regierung ihre EU Fördergelder in den Straßenbau gelegt. An den steilsten Stellen werden die Straßen meist zweispurig, sodass langsame Fahrzeuge wie Gespanne oder LKWs auf die rechte Spur ausweichen können. Also schlichen wir mit 30-50 km/h im zweiten oder dritten Gang mit bis zu 4000 Umdrehungen pro Minute (jaja, ein Benziner eignet sich nicht unbedingt zum Fahren eines Gespanns…) hinter meist genauso langsamen LKWs die Berge hoch und runter.

Bis wir dann schließlich im Nationalpark „Collegats“ ankamen. Dort erwartete uns ein schneckeliger kleine Campingplatz in einem Tal, inmitten einer wahnsinnig schönen Berglandschaft.

Von unserer „homebase“ aus starteten wir mehrere Ausflüge, davon auch eine sehr lange Wanderung durch die Berge. Zu Beginn hatte ich noch Zweifel, ob meine kleine Jacky einer 25km Wanderung gewachsen war, doch sie lief die ganze Zeit munter fröhlich mit mir mit. Klar, Pausen sind dabei zwingend notwendig und bei den Temperaturen im Herbst (teilweise über 25°C!!!) hatten wir auch ordentlich zu trinken dabei. 5L für Hund und Herrchen haben gerade so ausgereicht.

Auf der Wanderung begegneten wir nahezu angsteinflößende Geier, die über unserern Köpfen kreisten und die Jacky ein mulmiges Gefühl im Bauch bereiteten, aber auch hunderte Stellen mit einer grandiose Aussicht über ein rießiges Tal.

Die Wege waren, zumindest im ersten Teil der Wanderung, fast immer gut begehbar. Klar, Wanderschuhe sind bei solch einer Wanderung über Stock und Stein ein MUSS!

Das Highlight war dann das verlassene Dorf „Montsor“ mit seiner kleinen Kapelle „Santa Maria“. Dieses Dorf ist schon seit einiger Zeit verlassen und so stehen nur noch die Ruinen der Häuser. Viele davon waren schon eingestürzt, manche konnte man noch begehen. Dort verbrachten wir dann unsere Mittagspause in absoluter Stille mit einer Aussicht, von der wir davor nur träumen konnten. Die Stille zerbrach wie ein Spiegel der auf den Boden fällt, als wieder einmal ein paar Geier nur wenige Meter über uns verbeiflogen – Ich glaube Jacky hatte noch nie so große Vögel aus der Nähe gesehen. Ein bisschen unheimlich war ihr das schon. Also beschlossen wir weiter zu marschieren.

Auch der nächste Teil des Weges war gut zu wandern, einzig die „Beschilderung“ war etwas gewöhnungsbedürftig, da diese nur aus zwei gelben Strichen die auf Fels gemalt waren bestanden. Manchmal waren die Abstände zwischen den Wegzeichen so groß, dass man den Weg gelegentlich aus den Augen verlor. Hinzu kam noch, dass der Weg teilweise kein Weg mehr war, sondern einfach nur ein Geröllfeld auf dessen anderer Seite man ein Loch in den Büschen erkennen konnte. Doch plötzlich gab es eine weitere Form der Wegweiser: ein kleines, gelbes, ca. 10cm großes Ausrufezeichen auf einem etwa handgroßem Kiesel. Wir wanderten gerade auf einem Bergrücken als wir das zweite „Wegzeichen“ sahen: ZWEI kleine, gelbe, ca. 10cm große Ausrufezeichen auf einem etwa handgroßem Kiesel. Keine 10m weiter das selbe noch einmal, nur dass die Ausrufezeichen nun zu dritt waren und ihre Farbe in Rot geändert hatten.

Wo war der Weg? Er brach einfach ab. Also nahm ich den Hund wieder an die Leine (ja, sie lief zum ersten Mal auf unserem Roadtrip einen ganzen Tag frei!), legte meinen Rucksack ab und ging ein kleines Stück weiter.

Schock lass nach, dachte ich mir als ich sah, wo genau der Weg weiterging: ca 5m in die Tiefe, nur ein Stahlseil zur Sicherung und rostige, nennen wir es „Stahlstufen“ führten in die Tiefe. Na super, und das mit Höhenangst! Ich also allen Mut zusammengenommen, den Rucksack wieder auf den Rücken und bin auf die erste Stufe geklettert, dort habe ich Jacky auf meinen Rücken genommen und ihre Leine ganz kurz am Rucksack befestigt.

Und dann ging es abwärts. Geschafft! Dachte ich mir jedenfalls. Doch wiedereinmal: Kein Schild, kein Wegweiser, nichts. Außer einem rießegem, steilen Geröllfeld. Laut der Karte müsste es nach links gehen, also wir nach links auf die Steine. Doch es stellte sich heraus, dass dieser Weg falsch war und wir wieder auf allen Vieren (ja, Jacky UND ich) wieder zurück. Da vor uns ein steiler Abhang begann, konnte es ja nur nach rechts gehen, und wir folgten der überhängenden Steilwand ein paar Meter, wieder auf allen Vieren. Nach nicht einmal 50m sahen wir dann einen richtigen Wegweiser, also nicht nur ein paar Striche auf dem Boden, sondern ein richtiges Schild, sogar mit Kilometerangaben! Von dort aus, ging es dann ein gut ausgetrampelten Pfad in Richtung Dorf.

Abends am Campingplatz brauchten wir beide erstmal Ruhe!

Fazit für mich? Ich schaue mir JEDE Wanderkarte in Zukunft genau an! Auch wenn Jacky super mitgemacht hat, Klettern mit Hund ist eine wahre Zerreissprobe für die Nerven!

Dennoch war die Wanderung eines der eindrücklichsten Erlebnisse und auch eine der Schönsten die ich bisher in Spanien erlebt habe und ich würde sie jederzeit weiterempfehlen!

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